10 Fragen und Antworten

Hier finden Sie die Antworten auf einige wichtige Fragen, die mir immer wieder gestellt werden!

 

Was ist überhaupt eine Mobilitätsschulung?

In einer Mobilitätsschulung (auch: Schulung in Orientierung und Mobilität/Mobitraining/O&M-Training) werden Strategien und Techniken vermittelt, mit deren Hilfe alle Wege des täglichen Lebens sicher, selbständig und effektiv bewältigt werden können. Neben dem Gebrauch des Langstocks wird der Einsatz des verbliebenen Sehvermögens geschult, sowie ggf. die Anwendung weiterer Hilfsmittel, wie zum Beispiel Monokular, Lupe oder Kompass.

Wer darf eine Mobilitätsschulung beantragen?

Eine Mobilitätsschulung kann jeder beantragen, dessen Mobilität aufgrund einer Sehschädigung so eingeschränkt ist, dass Sicherheit und Selbständigkeit nicht mehr gewährleistet sind. Das Lebensalter spielt dabei fast keine Rolle. Mobilitätsschulungen werden mit Kindern genau so erfolgreich durchgeführt, wie mit Erwachsenen und Senioren.

Wie lang ist eine Mobilitätsschulung und wie läuft sie ab?

Abhängig von verschiedenen Faktoren (Bedarf, Alter, Vorerfahrungen, verbliebenes Sehvermögen, zusätzliche Beeinträchtigungen) beträgt die typische Länge einer Mobilitätsschulung zwischen 20 und 80 Unterrichtsstunden.
Nach dem Erlernen der Stocktechnik können wichtige Themen bearbeitet werden, z.B.: Verhalten im Straßenverkehr, Umgang mit Hindernissen, Benutzung von Bus und Bahn, Mobilität im Dunkeln, Orientierung im Supermarkt, sicherer Umgang mit Kanten und Treppen.

Außerdem können konkrete Wege eingeübt werden: zum Arzt, zu Behörden, zum Einkaufen, zum Arbeitsplatz usw.
Der Unterricht findet immer rund um den Wohnort des Betroffenen statt, d.h., der Lehrer kommt zum Schulungsteilnehmer und nicht umgekehrt. Es handelt sich um Einzelunterricht, die Unterrichtslänge beträgt in der Regel 90 Minuten pro Termin.

Wann sollte über eine Mobilitätsschulung nachgedacht werden?

Häufig ist Betroffenen schon seit längerem bewusst, dass sie eigentlich etwas unternehmen müssten, um die eigene Sicherheit und Selbständigkeit nicht weiter zu gefährden. Zur Selbstprüfung kann man sich zwei Fragen stellen:

  1. Ist die Sicherheit subjektiv oder objektiv gefährdet?
    Beispiel: Besteht Angst vor Treppen oder ist es auf einer Treppe aufgrund der Sehbeeinträchtigung bereits zu Zwischenfällen (Stolpern, Stürzen) gekommen?
  2. Werden Aktivitäten vermieden, denen früher gern nachgegangen wurde?
    Beispiel: Wurde der wöchentliche Kaffeetreff aus dem Terminkalender gestrichen, weil der Weg dahin mit zuviel Stress verbunden ist?

Wann sollte DRINGEND über eine Mobilitätsschulung nachgedacht werden?

Diese Probleme können bei Sehbehinderung auftreten:

  • Unsicherheit bei Treppen
  • Unsicherheit bei Menschenmengen
  • Unsicherheit bei Dämmerung und im Dunkeln
  • Stolpern an Bordsteinen oder Kanten
  • Angst, allein die Wohnung zu verlassen
  • Angst, Straßen zu überqueren
  • An Ampeln können die Lichtsignale nicht erkannt werden
  • Regelmäßige Zusammenstöße mit Menschen
  • Regelmäßige Zusammenstöße mit Gegenständen
  • Probleme bei Helligkeit/Blendung
  • Alte Bekannte werden nicht mehr erkannt und begrüßt
  • Es wird vermieden, Bus und Bahn zu benutzen
  • Freizeitaktivitäten, die früher selbstverständlich waren, werden unterlassen
  • Für die Mobilität ist nahezu immer die Hilfe anderer nötig
  • Wege, die früher keine Probleme bereitet haben, sind heute mit großen Anstrengungen verbunden

Wenn eines oder mehrere dieser Probleme zutrifft, sollte ernsthaft über eine Mobilitätsschulung nachgedacht werden!

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Wie und wo wird eine Mobilitätsschulung beantragt?

In den allermeisten Fällen handelt es sich bei einer Mobilitätsschulung um eine Krankenkassenleistung. Zur Beantragung werden drei Dinge benötigt:

  • Ein augenärztliches Rezept oder Attest für eine Mobilitätsschulung
  • Ein augenärztliches Rezept für zwei Blindenlangstöcke (ohne genaue Bezeichnung)
  • Ein Kostenvoranschlag des Mobilitätslehrers

Die Rezepte und der Kostenvoranschlag werden bei der Krankenkasse eingereicht und eine Schulung beantragt. Schulung und Langstöcke können auch auf einem gemeinsamen Rezept verschrieben werden.
Als Kostenträger kommen u.a. außerdem in Frage: die Agentur für Arbeit, die Rentenversicherungsanstalt, die Berufsgenossenschaften oder das Sozialamt.

Tipp: Bei kleineren Krankenkassen kann es gut sein, dass die Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter in Ihrem Fall zum ersten Mal mit einer Mobilitätsschulung zu tun haben und nicht so recht wissen, was zu tun ist. Treten in solchen Fällen Missverständnisse oder Probleme auf, liegt dies erfahrungsgemäß nicht an der mangelnden Hilfsbereitschaft der Mitarbeiter. Hier empfiehlt sich ein sachlicher Umgang, gern auch mit Hilfe des Mobilitätslehrers.

Was kostet eine Mobilitätsschulung?

Eine Mobilitätsschulung ist für den Betroffenen kostenlos. Da es sich in aller Regel um eine Krankenkassenleistung handelt, fällt höchstens die Zuzahlung von 10 Euro an. Auch die anderen möglichen Kostenträger (s.o.) verlangen keine finanzielle Beteiligung.

Wie funktioniert eigentlich ein Langstock?

Der Langstock (auch: Blindenstock, weißer Stock, Blindenlangstock) ist das wichtigste Hilfsmittel für die Mobilität blinder und sehbehinderter Menschen. Seine Länge ist abhängig von der Körpergröße und der Schrittlänge des jeweiligen Benutzers. An seinem Ende befindet sich eine drehbare Spitze, mit deren Hilfe der Weg abgetastet wird. Mit der richtigen Technik können so alle Hindernisse erkannt werden, die im Schrittbereich liegen. (Hindernisse im Oberkörper- oder Kopfbereich sind zum Glück selten; hier kommt es kaum einmal zu ernsthaften Verletzungen.)

Bei Menschen mit verbliebenem Sehvermögen „befreit“ der Langstock die Augen. Sie müssen nicht mehr mühsam jeden Schritt auf dem Gehweg sichern, sondern können wieder zum Umhergucken eingesetzt werden. Ein sichereres, effektiveres und wesentlich entspannteres Gehen ist die Folge.

Eine Schnupperstunde Mobilitätstraining?

Muss vor Beginn der Mobilitätsschulung ein Langstock besorgt werden?

Nein! Die Wahl des richtigen Langstocks sollte möglichst in Absprache mit dem Mobilitätslehrer erfolgen. Denn Stock ist nicht gleich Stock und das Ziel ist, jeden Schulungsteilnehmer mit dem gerade richtigen Langstock zu versorgen. Daher sollte auch während der Schulung die Möglichkeit bestehen, verschiedene Fabrikate auszuprobieren.

Tipp: In akuten Fällen kann mit einem Leihstock zumindest der Kennzeichnungspflicht nachgekommen werden, ohne dass dafür ein Stock extra angeschafft werden muss. Bei Bedarf kontaktieren Sie mich gerne!

Muss sich ein sehbehinderter oder blinder Mensch besonders kennzeichnen?

Menschen, die sich aufgrund ihres herabgesetzten oder fehlenden Sehens nicht mehr sicher im Straßenverkehr bewegen können, sollten Vorsorge treffen, dass sie gut sichtbar gekennzeichnet sind. Ziel ist es, die Gefahr für die eigene Sicherheit aber auch für die Sicherheit der anderen Verkehrsteilnehmer zu minimieren.

Nur bei ausreichender Kennzeichnung kann erwartet werden, dass andere Verkehrsteilnehmer in erhöhtem Maße Rücksicht nehmen.

Zwar besteht keine Kennzeichnungspflicht im eigentlichen Sinne. So fehlen im entscheidenden Paragraphen (§ 2 der Fahrerlaubnisverordnung) z.B. konkrete Visuswerte o.ä. nach denen man sich richten könnte. Die Einschätzung, ob noch sicher am Straßenverkehr teilgenommen werden kann, ist jedem Betroffenen selbst überlassen.

Kommt es jedoch bei fehlender Kennzeichnung zu einem Schadensfall, muss mit ernsten zivilrechtlichen Konsequenzen gerechnet werden, da von den Gerichten zunächst von einem Fehler des blinden oder sehbehinderten Menschen ausgegangen wird.

Folgende Alternativen der Kennzeichnung gibt es:

  • Zwei gelbe Armbinden mit drei schwarzen Punkten
  • Blindenhund in weißem Führgeschirr
  • Weißer Blindenlangstock

Wichtig: die häufig vorzufindenden gelben Plaketten oder Anstecker mit drei schwarzen Punkten reichen in keinem Fall für eine ordnungsgemäße Kennzeichnung aus!

Wenn eine (normalsichtige) Begleitperson für die Sicherheit des sehbehinderten Verkehrsteilnehmers sorgt, kann von einer Kennzeichnung abgesehen werden. Allerdings haftet die Begleitperson im Schadensfall, wenn eine Kennzeichnung objektiv nötig gewesen wäre aber unterblieben ist.

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